Unser Konzept
Nachstehend eine Zusammenfassung unseres Konzepts. Und rechts der Link auf die Langfassung. Dort finden Sie unser Konzept "Zukunft der Bildung" in ausführlicher Form.
"Zukunft der Bildung" - Zusammenfassung
Die niedersächsische SPD hat ein umfassendes Programm zur Bildungspolitik in Niedersachsen vorgelegt. Es ist auf dem Landesparteitag der niedersächsischen SPD am 10. Juni 2006 einstimmig verabschiedet worden.
Unter dem Titel "Zukunft der Bildung" beschreibt die SPD in diesem Konzept, welche Schritte zur Reform des Niedersächsischen Bildungswesens von der vorschulischen Bildung über das Schulsystem und die Hochschulen bis zur Weiter- und Seniorenbildung unternommen werden sollten.
Auch wenn bei der Landtagswahl im Jahr 2008 dann das Ziel nicht erreicht wurde, die Landesrgeierung zu stellen, die inhaltliche Positionierung der SPD in Sachen Bildungspolitik bleibt. Die "Wolfsburger Beschlüsse" sind nach wie vor Grundlage der sozialdemokratischen Bildungspolitik in Niedersachsen. Sie werden natürlich kontinuierlich fortgeschrieben und den sich verändernden Bedingungen und Entwicklungen angepasst.
Das Konzept erarbeitete eine Projektgruppe unter Leitung des seinerzeitigen bildungspolitischen Sprechers der niedersächsischen SPD, Wolfgang Wulf. Dazu fand in der Zeit von 2004 bis 2006 eine breite öffentliche und innerparteiliche Debatte statt, die in dem einstimmigen Beschluss des SPD-Landesparteitages am 10. Juni 2006 mündete. Das Konzept hat auch Eingang gefunden in das Regierungsprogramm der SPD zur Landtagswahl.
Die Reformen sind komplett durchfinanziert: So soll in den Schwerpunkt frühkindliche Bildung massiv investiert werden.
"Unser Reformkonzept ist von drei Leitgedanken getragen", erläuterte der SPD-Landesvorsitzende Garrelt Duin bei der Vorstellung des Konzepts, "Wir brauchen eine Bildungsreform, die sich an den Interessen der Kinder orientiert, nicht an ideologischen Glaubenssätzen oder dem Streit über Schulstrukturen. Wir müssen die starren Grenzen zwischen den einzelnen Bildungsgängen aufweichen und so individuelles Fordern und Fördern ermöglichen. Wir brauchen ein Konzept, das gemeinsam mit den Betroffenen umgesetzt werden kann."
Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Wolfgang Jüttner, ergänzte: "Die Zeiten, in denen Bildungsreformen am Grünen Tisch entworfen und dann obrigkeitsstaatlich durchgesetzt wurden, müssen vorbei sein. Denn nur Bildungseinrichtungen, mit denen sich Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Eltern und außerschulische Partner gleichermaßen identifizieren, können auf Dauer erfolgreich sein."
Die wichtigsten Vorschläge im Überblick:
Frühkindliche Bildung:
Über die späteren Bildungschancen wird schon im Kleinkindalter entschieden. Gerade in den ersten drei Lebensjahren der Kinder werden die Eltern in Deutschland von Staat und Gesellschaft jedoch allein gelassen. Es gibt weder ausreichend Krippenplätze, noch hinreichend Beratung. Deshalb will die SPD die Eltern als erste Experten bei der Erziehung ihrer Kinder gezielt unterstützen. Schon während der Schwangerschaft sollen vermehrt Beratungsangebote zur Verfügung stehen. Eine aufsuchende Beratung, die neben medizinischen auch sozialpsychologische und pädagogische Aspekte umfasst, unterstützt Mütter und Väter in ihrer Elternrolle. Für Eltern in schwierigen sozialen Milieus trägt sie zur Stabilisierung bei. Sie soll auch dazu beitragen, Fälle von Missbrauch oder Verwahrlosung früher als bislang zu erkennen und zu vermeiden helfen.
In Niedersachsen haben nur 2,1 Prozent aller Kinder im Alter bis zu drei Jahren einen Platz in einer Tageseinrichtung. Bei vielen Kindern fehlt der für die frühkindliche Entwicklung wichtige Kontakt zu Gleichaltrigen und allein erziehende Eltern müssen ihren Beruf länger als gewollt aufgeben. Bis zum Jahr 2010 will die SPD deshalb schrittweise den Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz einführen. Vor allem im ländlichen Raum setzt sie darüber hinaus auf gut qualifizierte Tagesmütter, deren Einsatz und Fortbildung von den Kommunen koordiniert werden soll.
Jedes fünfte Kind in Niedersachsen besucht keinen Kindergarten. Dies wollen wir ändern, in dem die Angebote im Kindergarten attraktiver und kostenfrei werden. Um einen Anreiz für den Kindergarten-Besuch zu schaffen, soll ab 2008 zunächst ein Jahr im Kindergarten für die Eltern beitragsfrei sein. Unser Ziel ist es, dass das Land die Kosten für die Elternbeiträge in zwei Schritten auch für die gesamten drei Kindergartenjahre übernimmt.
Im letzten Kindergarten-Jahr erhalten die Eltern zudem ab 2008 die Möglichkeit, ihr Kind an mehreren Terminen bereits im Alter von fünf Jahren einzuschulen. Die frühkindliche Sprachförderung in den Kindergärten wird massiv ausgebaut.
Die Kindergärten sollen ab 2008 - beginnend in sozial problematischen Stadtteilen - schrittweise zu Einrichtungen ausgebaut werden, in denen die Eltern Unterstützung "aus einer Hand" bekommen: In zunächst 50 Familienzentren - entsprechend den in Großbritannien sehr erfolgreichen "Early Excellence Centres" -, sollen z. B. Kinderärzte, Jugend- und Sozialämter sowie begleitende Einrichtungen - z. B. Kunst- und Musikschulen - zusammenarbeiten. Durch die Kooperation der Fachleute wird die bislang kaum überschaubare Vielzahl von Beratungs- und Betreuungsangeboten gebündelt und für die Eltern besser nutzbar gemacht.
Grundschule / Primarstufe:
Die Arbeit der Kindergärten und Grundschulen soll verbindlich verzahnt werden. Grundschul-Lehrkräfte sollen auch in Kindertagesstätten und Kindergarten-Beschäftigte in Grundschulen mitarbeiten. Die SPD wird den Übergang zwischen beiden Bildungseinrichtungen neu gestalten. Je nach Entwicklungsstand der Kinder soll die Einschulung im Alter zwischen fünf und sechs Jahren erfolgen, um so ein optimales Fördern und Fordern zu ermöglichen. Die flexible Eingangsstufe wird flächendeckend an allen niedersächsischen Grundschulen eingeführt. Sie umfasst die ersten beiden Schuljahre und kann in einem, zwei oder drei Jahren absolviert werden. Die Kinder lernen in der Eingangsstufe in altersgemischten Gruppen - ein Prinzip, das sich für das "Lernen lernen" bewährt hat.
"Gemeinsame Schule" - Sekundarstufe I:
Die SPD will im Falle einer Regierungsübernahme keine neue Schulreform "von oben" verordnen, aber sie wird die individuelle Förderung jedes Kindes in den Mittelpunkt stellen. Sie strebt eine an den Bedürfnissen vor Ort ausgerichtete Weiterentwicklung des Schulsystems an. So können bestehende Schulen des Sekundarbereichs I in "Gemeinsame Schulen" umgewandelt werden, in denen alle Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen fünf bis zehn gemeinsam unterrichtet werden. Diese Schulen, die die starren Grenzen der bisherigen Schulformen aufbrechen, sollen strikt auf das Prinzip des individuellen Forderns und Förderns verpflichtet werden.
Die Umwandlung von bestehenden Schulen des Sekundarbereichs I in diese Schulform neuen Typs wird aber nur dort stattfinden, wo Eltern das wünschen. Die "Gemeinsame Schule" wird in enger Abstimmung mit lokalen außerschulischen Partnern differenzierte Formen individueller Förderung anbieten und ist eine Ganztagsschule.
Sekundarstufe II und Berufliche Bildung:
Die Vorbereitung auf das Abitur soll in gymnasialen Oberstufen an Gymnasien oder "Gemeinsamen Schulen" im Rahmen einer "Profil-Oberstufe" erfolgen. Schülerinnen und Schüler, die die allgemeine Hochschulreife erlangen wollen, werden im 10 Jahrgang individuell auf diese Oberstufe vorbereitet werden. So wird gewährleistet, dass die Schulzeit bis zum Abitur in zwölf Jahren absolviert werden kann.
Die Berufsbildenden Schulen sollen als "regionale Kompetenzzentren" in noch engerer Kooperation mit Kammern, Arbeitgebern und Gewerkschaften gestärkt werden. Angesichts der Probleme lernschwächerer Schülerinnen und Schüler sollen sie verstärkt Ausbildungsgänge mit geringerem Theorie- und höherem Praxisanteil anbieten.
Hochschulen und Weiterbildung:
In den nächsten fünf Jahren wird die Zahl der Studierenden in Deutschland um 25 Prozent steigen und dort bis 2020 bleiben. Angesichts des in vielen Branchen schon heute bestehenden Mangels an hoch qualifizierten Fachkräften muss die international viel zu niedrige Studierquote in Deutschland weiter gesteigert werden. Soziale Hürden vor Studienbeginn müssen abgebaut werden, deshalb will die SPD die Studiengebühren für das Erststudium in Niedersachsen nach der Landtagswahl 2008 abschaffen.
Der rasante technische Wandel stellt neue Herausforderungen auch an das System der Weiterbildung. Wenn die Menschen "lebenslang lernen" sollen, muss der Staat gewährleisten, dass entsprechend qualifizierte Angebote vorgehalten werden. Die Einrichtungen der Erwachsenenbildung müssen ihre Angebote in enger Kooperation mit Schulen und Hochschulen stärker differenzieren und an den Bedürfnissen ihrer Kunden orientieren. Es müssen auch angesichts des demografischen Wandels gezielte Angebote für Seniorinnen und Senioren entwickelt werden.
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